
Ich bin kein Urmensch.
Ich frühstücke.
Punkt.

Ich weiß, es klingt banal. Oder provokant. Aber dieser Satz steht für eine Entscheidung:
Ich orientiere mich nicht an Hunger-Ideologien oder Urzeit-Mythen,
sondern an dem, was mein System wirklich braucht.
Viele sagen heute:
„Iss nur, wenn du Hunger hast.“
„Der Urmensch hat auch nicht gefrühstückt.“
„Fasten ist natürlich.“
Aber ehrlich?
Mein Nervensystem lebt nicht in der Wüste.
Nicht unter freiem Himmel mit Feuerstelle und Mammutfett.
Und ob es diesen „Urmenschen“ überhaupt so gab,
wie wir ihn uns heute herbeifantasieren, ist historisch mehr Wunschbild als Tatsache.
Selbst wenn: Ich bin nicht er. Ich bin ich. In 2025.
Mit Lichtmangel. Bildschirmarbeit, Umweltverschmutzung.
Mit Kindern, Terminen, inneren To-do-Listen.
Und einem vegetativen System, das morgens nicht nüchtern meditiert,
sondern oft schon im Kampfmodus aufwacht.
Ich frühstücke, weil ich reguliere.
Weil ich gelernt habe, dass „kein Hunger“ nicht heißt: Alles ist okay.
Manchmal bedeutet es: „Ich bin schon zu weit unten.“
Dann kommt das Zittern, das Flackern, der Druck.
Und dann ist Fasten kein Reset mehr, sondern ein Risiko.
Ich esse nicht gegen mein Gefühl, sondern mit ihm.
Wenn ich mich leer oder instabil fühle, brauche ich Substanz.
Wenn ich mich schwerfällig oder innerlich gestaut erlebe,
brauche ich Ruhe, Abstand und keine neue Ladung.
Ich entscheide und nicht irgendein Mythos.
Ich bin kein Urmensch.
Ich bin ein fein regulierender Mensch im Heute.
Und mein Tag beginnt mit TaiChi und Frühstück.
Nicht weil ich muss, sondern weil mein Körper es braucht.
Sonst bricht mir der Tag weg, bevor er begonnen hat.


