
Alice und ihre Knistermaus

Noch bevor Alice im Korridor zu sehen war, kündigte sie sich an.
Aus dem nächsten Raum kam dieses sonderbare, gedämpfte Trillern, das nur sie hervorbrachte.
Ein wenig meckernd, ein wenig aufgeregt und kaum zu überhören.
Veyra wusste sofort, was Alice im Maul trug.
Ihre Knistermaus.
Im nächsten Augenblick sauste Alice um die Ecke. Ihr langes Fell wehte bei jedem Sprung, der buschige Schwanz stand hoch über ihrem Rücken. Sie schoss durch den Korridor, setzte mit den Pfoten an der Wand auf und drehte sich in der Luft, bevor sie wieder sicher auf dem Boden landete.
Die Maus flog hoch.
Alice sprang hinterher und fing sie beinahe beiläufig wieder auf.
Dann raste sie weiter, durch den nächsten Raum und zurück in den Korridor. Das leise Knistern der Maus mischte sich mit ihren seltsamen Spieltönen, die durch Andershall hallten.
Nur manchmal hielt Alice kurz an. Die Maus blieb fest in ihrem Maul, während sie verschnaufte. Ihr Fell war ein wenig zerzaust, ihre Augen glänzten, und ihr Schwanz bewegte sich schon wieder ungeduldig.
Lange dauerte die Pause nie. Schon wirbelte die Maus erneut durch die Luft, und Alice war hinter ihr her.
Veyra blieb stehen und sah ihr zu. Sie bemerkte, wie kräftig Alice geworden war, wie sicher sie sprang und wie geschmeidig sie sich bewegte. Das Fell glänzte im Licht und flog bei jeder schnellen Wendung um ihren Körper. Alice war schnell, sportlich und voller Freude.
Und Veyra war ziemlich stolz auf sie.
Auch wenn Alice selbst vermutlich der Meinung war, dass sie nur einer sehr wichtigen Aufgabe nachging: Eine Knistermaus durfte schließlich keinesfalls unbeaufsichtigt durch Andershall fliegen.
Noch mehr Katzen aus Andershall
In Drei kleine Stimmen in Andershall erzählt Veyra von dem Morgen, an dem Alice
ihre drei Kitten zur Welt brachte.
Weitere kleine Begebenheiten und Geschichten über die Katzen des Hauses finden sich in
Die Katzen von Andershall.

